DIE FSI IST WIEDER AKTIV!

Nach über einem Jahr ist die Fachschaftsinitative Deutsche Philologie nun wieder aktiv.

Weitere Informationen folgen in Kürze auf dieser Seite.

Ihr könnt uns inzwischen auch wieder per Mail kontaktieren: fsi.germanistik.fu@gmail.com
Um Euch über aktuelle FSI-bezogene Themen und Aktionen zu informieren, setzt Ihr Euch am Besten hier auf unseren E-Mail-Verteiler:
https://lists.spline.inf.fu-berlin.de/mailman/listinfo/fsi+germanistik

Ihr seid herzlich eingeladen, Euch, Eure Interessen und Eure Ideen hier einzubringen und uns bei diesem Neustart zu begleiten :-)

Erstiheft – jetzt auch zum downloaden!

Hier und unter dem Tab „Materialien“ gibt es das aktuelle Erstiheft auch zum download: Erstiheft 2010

Mi 10.11.: *** Semesterauftaktparty der Fachschaftsinitiativen! ***

Wie jedes Jahr, gibt es auch in diesem eine Semesterauftaktparty der Fachschaftsinitiativen an der FU. Die Party steigt im Festsaal Kreuzberg, direkt neben der U-Bahnstation Kottbusser Tor (U1/U8, Bus 140), Skalitzer Straße 130. Los geht’s in diesem Jahr schon um 21 Uhr mit grandioser Musik, lecker Essen und Cocktails. Wir freuen uns auf eine großartige Party!

Erstifahrt!

Liebe Philolog_innen, liebe Erstsemester,

willkommen (zurück) im Semester an der FU.
Die Orientierungstage sind vorbei, die Erstsemesterfahrt kommt bald!

„Das ist doch kein Wetter!“ – Das Sommerfest des AStA FU

Am 15. 07. ab 15 Uhr findet das Sommerfest des AStA FU statt, diesmal in Kooperation mit dem ReferentInnenRat der HU und der Historischen Kommission des StuPa HU. Flexibel wie FU-Studierende heutzutage sein sollen, weichen wir deshalb auch auf den ungewohnten HU-Campus in Mitte aus – und freuen uns mit euch über die kürzere Anfahrt…

Neben dem großen Arbeiter_innenlieder-Contest der Historischen Kommission erwarten euch verschiedenen DJ_anes (Elektro/ Indy/ Punk/ Ska/ Sommermucke), Kicker und Tischtennisplatte, Kuchen, Zines sowie jede Menge Infos. Außerdem gibts natürlich genug Raum, um einfach nur mit einem Cocktail in der Hand die Sonne zu genießen.

Also kommt vorbei!

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Im und vor dem Seminargebäude am Hegelplatz
(Dorotheenstr. 24)
U 6 Friedrichstraße

Der Zugang zur Veranstaltung ist barrierefrei.
Eintritt frei.

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http://astafu.blogsport.de/

Studierende zu Waren? Zulassungsstopp für die Lehramtskombinationen Deutsch, Geschichte und Sozialkunde

Ab dem Wintersemester 2010/2011 herrscht an allen Berliner Hochschulen für mindestens zwei Jahre Zulassungsstopp für die Lehramts-Fächerkombinationen Deutsche Philologie und Geschichte, Deutsche Philologie und Sozialkunde (Politikwissenschaft als Nebenfach) und Geschichte und Sozialkunde.

Der Grund liegt in den neuen Berliner Hochschulverträgen für die Jahre 2010 bis 2013, die die einzelnen Hochschulen mit dem Staat eingehen. Die berliner Hochschulen vereinbaren also Hochschulverträge mit dem Land Berlin, die über einen mehrjährigen Zeitraum die Rahmenbedingungen für die Hochschulentwicklung festlegen und in der Öffentlichkeit v.a. von ihren Machern meist als positive Instrumente der „Planungssicherheit“ und „größeren Autonomie für die Hochschulen“ gelobt werden. Doch aus vielen Publikationen wie zum Beispiel der „Hochschule im historischen Prozess, Band 13″ wissen wir, dass die Hochschulverträge durchaus kritisch zu betrachten sind, erscheinen sie doch auch als staatliches Steuerungsinstrument, dass den Hochschulen durch Vorschriften v.a. Autonomie raubt, wenn ihnen hier durch das sog. „leistungsbasierte Hochschulfinanzierungssystem“ die Ökonomisierung, das Konkurrenzverhältnis zwischen den Hochschulen sowie deren Ausrichtung auf den Markt aufgedrückt werden.

Neben der Finanzausstattung der Uni werden z.B. auch Fragen der Ausbildungskapazität und der Lehre in den Verträgen vereinbart. Deren Abschluss gehen Verhandlungen voraus, die seitens des Landes von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, also momentan durch Jürgen Zöllner, geführt werden. Auch in der eigenen Pressemitteilung schwärmt die Senatsverwaltung von den vielen Vorteilen der neuen Hochschulverträge: „Die Verträge enthalten neben dem Ausbau der Kapazitäten und den Regelungen zur Hochschulfinanzierung weitere Vereinbarungen, die sich für den Hochschulstandort positiv auswirken: Hierzu gehören etwa die Weiterentwicklung der mit dem Bologna-Prozess verbundenen Reformen, das Qualitätsmanagement und die Stärkung der Lehrerbildung.“ (Zur Pressemitteilung)

Aha, was hat denn aber nun ein Zulassungstopp mit einer „Stärkung der Lehrerbildung“ zu tun?

Also blättern wir etwas in den Hochschulverträgen mit der FU Berlin und sind erstaunt. Schon in den Hochschulverträgen 2006-2009 verankerte sich eine „Bestellmentalität“ des Berliner Wissenschaftssenators hinsichtlich der „Bestellbarkeit“ bzw. „Lieferbarkeit“ von vorgegebenen Absolvent_innenquoten für Lehramtsstudierende. Der § 5 a (2) der „Organisation der Lehrerbildung und Ausbildungskapazität“ schreibt eine „Zahl von 850 Absolventen pro Jahr“ vor.
Auch ist schon hier von einer irgendeiner abstrakten „zentralen Steuerungsgruppe auf Landesebene“ zur „Qualitätssicherung“, „Professionalisierung“ und „Vernetzung der Lehrerbildung“ die Rede. (Zu den Berliner Hochschulverträgen)

In den anschließenden Verträgen für 2010 bis 2013 wird diese Klausel nicht nur fortgesetzt, sondern noch um weitere Steuerungsmechanismen um einige Paragraphen ergänzt. Zunächst erhöht sich die „Bestellung“ des Senators: „Die lehrerausbildenden Universitäten stellen durch ihre Kapazitätsplanung sicher, dass ab 2014 mindestens 1.000 Lehramtsabsolventinnen und -absolventen pro Jahr für den Vorbereitungsdienst zur Verfügung stehen können.“ Soweit, sogut… allerdings… so ein bisschen stört uns die Formulierung „zur Verfügung stehen“ schon. Woran liegt das nur? Wir lesen weiter…

Auch § 5 ist neu und heißt: „Bedarfsgerechte Ausbildung“. Hier finden wir nun auch die Festschreibung des Einstellungsstopps: „…verpflichten sich die Freie Universität Berlin und die Humboldt-Universität zu Berlin zu einer bedarfsgerechteren Ausbildung von Lehramtsabsolventinnen und -absolventen. Dies geschieht dadurch, dass die wechselseitigen Kombinationsmöglichkeiten in den Fächern Geschichte, Sozialkunde und Deutsch ab 2010 zunächst für zwei Zulassungsperioden ausgesetzt werden.“ Bedarfsgerecht meint hier also den Bedarf des Staates an Lehrkräften, der im übrigen auf keinen Fall gleichzusetzen ist mit einem „objektiven Bedarf“ von Lehrer_innen an den Schulen, die schließlich immer von veranschlagter Klassengröße, Betreuungsverhältnis, Ausrichtung und Organisation abhängt, um die man bzw. Erziehungswissenschaftler_innen sich schließlich streiten.
Dass das Land Berlin durch Einstellungsstopps etc. seine angehenden Lehrer_innen nach ihrem Studium immer wieder traktiert, scheint ihm jetzt nicht mehr zu reichen. Noch im Studium ist der Lehramtsstudierende schon „Rekrut“ des Landes und hat dessen Willen folge zu leisten. Es kann sich Studierende also nicht nur „bestellen“, sondern auch „abbestellen“.

Weiterhin wird noch im selben Paragraphen extra festgeschrieben, dass die „Beratung zukünftiger Lehramtskandidatinnen und -kandidaten“ geführt werden soll „mit dem Ziel, in Zukunft Angebot und Nachfrage zu größerer Übereinstimmung zu führen“– zukünftig soll also an der FU nicht zum Wohle des individuellen Studierenden, sondern für irgendein diffuses „Gemeinwohl“ des Staates beraten werden.
Diese Praxis scheint an manchen Fachbereichen bereits verbreitet zu sein. Nach unseren Erfahrungen werden viele Studierende, die sich zu einem Fachrichtungswechsel oder eben zur Immatrikulation in einem entsprechend reglementierten Fach beraten lassen wollen, ohne echte Informationen abgespeist mit dem Hinweis: „Studieren sie doch lieber eine Naturwissenschaft…“ oder ähnlichem. Denn eigentlich sind sie mit ihrem Studienwunsch hier nicht „erwünscht“.

Es handelt sich dabei anscheinend leider nicht lediglich um einen hilfreichen Hinweis oder die Aufklärung der zukünftigen Lehramtsstudierenden über mögliche Zukunftsperspektiven, sondern um den bewussten Versuch der Steuerung. Das heißt, es wird nicht nur darauf hingewiesen, dass manche Lehramtskombinationen bessere Berufseinstiegschancen bieten als andere und anschließend ernsthaft weiter über den eigentlichen Studienwunsch des zu Beratenden geredet,sondern die Information über das Studienfach wird zugunsten der Überzeugung zum Studium eines anderen Faches ausgelassen. Eine frühzeitige Beratung und Aufklärung an Schulen über Studienangebote und anschließende Berufschancen, die dem zukünftigen Studierenden eine selbstbestimmte und dennoch wirtschaftlich durchdachte Entscheidung ermöglichen würden, wird in Betracht gezogen, sondern die Entscheidungsmöglichkeiten durch den Zulassungsstopp einfach gekappt und markt- statt studierendenfreundliche Beratungen festgeschrieben- fast so als gäbe es gar kein sogenanntes „Recht auf freie Bildung“, dass unseres Erachtens nach die freie Studienwahl mit einschließt.

Was die Ökonomisierung der Unis für die Lehre bzw. für die Studierenden bedeutet, ist schon durch Bologna klargeworden und wurde heftig kritisiert. Dennoch macht der Berliner Senat keinen Halt davor, mit Lehramtsstudierenden, von denen jede_r einzelne eigene individuell zu begründende Bedürfnisse und Studienwünsche hat, wie mit einer Ware zu verfahren, die man bestellen, abbestellen und über die man verfügen kann. Wenn der Staat sich als zentrale Instanz der Allokation (Verteilung) von Ressourcen wie Bildung und Arbeit erklärt, dann ist das eine staatlich verordnete „Planungssicherheit“, die durchaus gefährliche Implikationen birgt: „Während Hochschulautonomie also einst die Forderung, der Staat möge die Hochschulen zwar aushalten ud ihren Betrieb gewährleisten, sich aus ihrer inneren Organisation jedoch heraushalten und diese einer demokratischen Selbstbestimmung der in ihr agierenden Statusgruppen überlassen, bezeichnete, bedeutet diese heute vor allem die Aufgabe staatlicher zugunsten marktförmiger Steuerung, welche zudem auch Marktversagen im Sinne eines Scheiterns am Markt und also ein Ende des staatlich garantierten Globalschutzes wissenschaftlicher Institutionen im Sinne einer sicher gewährleisteten (Unter-)Finanzierung impliziert.“ (Hochschule im Prozess, Band 13, S.101)

Diesen klammheimlichen Eingriff des Berliner Senats ins Hochschulsystem wollen wir hiermit scharf kritisieren und fordern für alle Studierenden die freie Studienwahl und den freien Hochschulzugang- mindestens jedoch die Aufhebung des Zulassungsstopps.

Institutstag und -fest am 01.07.

Am Donnerstag, den 01.07., findet der erste Inistutstag der Deutschen Philologie statt. Seminare und Veranstaltungen sind für diesen Tag ausgesetzt, sodass alle die Möglichkeit haben, sich umzusehen. Tagsüber, ab 10.30 Uhr, geht es los mit Workshops verschiedenster Art und einer Podiumsdiskussion „Von der allgemeinen Bachelorreform zur konkreten Umsetzung an unserem Institut“. Schließlich soll in diesem Rahmen ab 18 Uhr auch noch die Absolvent_innenfeier stattfinden, um dann ab ca. 20 Uhr direkt ins Institutsfest überzugehen. Die Ger-o-matis sorgen wieder für Essen und Getränke und erwarten euch im Hof neben JK 31/122.
Die Fachschaftsini beteiligt sich mit zwei Workshops am diesjährigen Programm und lädt euch herzlich ein zu Überlegungen zur „Kritischen Germanistik“ ab 10.30 Uhr in JK 31/122 und zur „Hochschulpolitik“ ab 14 Uhr in JK 28/112. Kommt vorbei, wir freuen uns auf euch.

Hier gibts das ganze Programm mit allen Workshops zum Download: Programm

PROGRAMM INSTITUTSTAG und -FEST

10.00 – 10.30 Begrüßung – Hörsaal 2
Programmübersicht

10.30 – 12.00 WORKSHOPS I

12.00 – 12.30 Kaffeepause

12.30 – 13.30 PODIUMSDISKUSSION

13.30 – 14.00 Pause

14.30 – 16.00 WORKSHOPS II

16.00 – 18.00 Pause

18.00 – 20.00 Absolvent_innenfeier

20.00 – open end INSTITUTSFEST

‚Wissenschaft und Kritik‘ am Do, den 17.06.: ‚Deutsche‘ Literatur? – Ein Vortrag mit Romana Weiershausen

Nächste Woche Donnerstag, den 17.06., ist es so weit. Um 18 Uhr wird die Veranstaltung der FSI Deutsche Philologie im Raum L116 (Silberlaube, Seminarzentrum) stattfinden, die die Vortragsreihe der Fachschaftskoordination „Wissenschaft und Kritik“ in diesem Semester fortführt. Dr. Romana Weiershausen, die seit diesem Semester an der FU lehrt, spricht über die „‚Deutsche‘ Literatur? Interkulturalität als Herausforderung für die Germanistik“.

„Ich bin so deutsch wie Kafka“ – mit diesem Statement wendet sich die Autorin Terézia Mora, die aus Ungarn stammt und in Deutschland schreibt, vehement gegen eine Etikettierung ihrer Texte als ,Migrationsliteratur‘. Sie drückt damit ein grundsätzliches Unbehagen an den Zuschreibungen aus, die den deutschen Literaturbetrieb bestimmen und die implizit immer noch von einer ,eigentlichen‘ deutschen Nationalliteratur auszugehen scheinen. Für das Fach der „Neueren deutschen Literaturwissenschaft“ bedeutet die im deutschsprachigen Raum entstehende mehrkulturelle Literatur eine besondere Herausforderung, indem sich beispielsweise bereits die Frage nach dem Gegenstand des Fachs als problematisch erweist. Gleichzeitig eröffnet sich die Chance einer kritischen Reflexion, die bei den Traditionen des Fachs beginnt und sich auf gesellschaftliche Prozesse ausweiten lässt. Die Literatur von Autorinnen und Autoren, die aus einer von verschiedenen Kulturräumen geprägten Sichtweise – in einem „Zwischenraum“ (Bhabha) – schreiben, bietet einen ästhetischen Experimentierraum, in dem Mechanismen identitärer Verortung hinterfragt und überschritten werden: Hier ist die Germanistik in doppelter Weise – fachwissenschaftlich und in ihrer Relevanz für die Gesellschaft – auf die Probe gestellt.

Der ewige Klassensprecher. FU-Präsident Alt hat seine Hausaufgaben gemacht

»Undemokratisch, intransparent und bürokratisch wird die FU regiert, so sehen es jedenfalls
interne Kritiker.«1 Immer wieder wurden gegen den ehemaligen FU-Präsidenten Dieter Lenzen Vorwürfe laut, die ihn wegen seines undemokratischen studierendenfeindlichen Herrschaftsstils und seiner neoliberalen Ökonomisierungspolitik kritisierten. Doch bald scheint es eine neues Regime unter dem Germanisten Peter-André Alt zu geben und überall keimt der Verdacht einer bemerkenswerten hochschulpolitischen Kontinuität auf. So befürchtet das Studierendenparlament der FU in einer Resolution vom 22. Mai bereits jetzt, »dass es unter Alt als Präsident zu keinen Verbesserungen im Verhältnis der Studierenden und der Studierendenvertretungen zum Präsidium kommen wird.«2

Die Wahl findet zwar erst am 12. Mai statt, dennoch gibt es schon seit geraumer Zeit keinen Zweifel über ihren Ausgang, Gegenkandidat_innen gibt es nicht mehr. Der Informatiker Raúl Rojas und die Politologin Christiane Lemke, die im präsidiumsnahen und -freundlichen Tagesspiegel von Anfang an lediglich peripher und als Außenseiterkandidat_innen gehandelt wurden3, zogen kaum überraschend ihre Kandidaturen zurück, wie schon einige Bewerber_innen vor ihnen. Vor allem innerhalb der Studierendenschaft werden mehr und mehr Unmut und Proteste laut. Von einem offenen Bewerbungsverfahren für das Präsidentschaftsamt scheint die FU weit enfernt, die Fortführung des neoliberalen »System Lenzens«4 prädestiniert. Alt selbst äußert sich nicht oder nur sehr verhalten und unkonkret zu den Vorwürfen, gibt jedoch ausgiebige Interviews gegenüber verschiedene studentischen Gruppen, in denen er sich auffallend bemühte, einen dialogbereiten, ungezwungenen Eindruck zu machen. Die Zusammenarbeit mit Dieter Lenzen sei anregend gewesen, als dessen Vertrauter betrachte er sich deswegen jedoch nicht. Er betont hingegen die Unterschiede, beispielsweise in der Kommunikation mit der Studierendenschaft, die sich deutlich verbessern
soll: Es soll eine präsidiale Sprechstunde geben. Bei der Frage nach Veränderungen an der FU unter seiner Präsidentschaft verweist er etwas abstrakt auf die Erwägung von Diskussionen
auf breiterer Ebene.5 Keine besonders detaillierte, aber eine klare Linie seiner zukünftigen Politik, die in erstaunlicher Nähe zur ungebrochenen Linearität seines Lebenslaufes und seiner mustergültigen wissenschaftlichen Laufbahn steht. Alt »zeigt sich bestens informiert über hochschulpolitische Entwicklungen in sämtlichen Bundesländern. Jeden Morgen um halb
sechs, Alt braucht nur fünfeinhalb Stunden Schlaf, liest er Zeitung, die politischen Nachrichten vor dem Feuilleton.« Gesellschaftlich engagiert hat sich Peter-André schon als Schüler. »Der Sohn eines Steuerberaters war Klassensprecher an der altsprachlich-musisch orientierten Charlottenburger Erich-Hoepner- Schule.«6 Anschließend studierte und promovierte er an der FU Berlin, obwohl er sich anfangs gar nicht wohl fühlte. »Im ›anonymen Alltag‹ ist er ›sehr unglücklich‹ gewesen, sagt er.«7 Er wird Lehrbeauftragter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Germanistik. Nach seiner Habilitation lehrte er zunächst in Rostock, um schließlich bereits im Alter von 35 Jahren den ersten Ruf auf eine Professur nach Bochum zu erhalten. Anschließend an viele Aufenthalte im In- und Ausland (z. B. Princeton und Cambridge), renommierten Stipendien, der Bekleidung verschiedener hochschulpolitischer Leitungsämter (z.B. Institutsdirektor in Würzburg und Bochum) und eine schnell wachsenden Publikationsliste8 kehrte er 2005 zurück an die FU Berlin. Seine Forschungsfelder sind vor allem solide, denn sie widmen sich meist traditionellen Themenfeldern der Germanistik: dem 17./18. Jahrhundert und der Klassischen Moderne, biografische Arbeiten zu Kafka und Schiller. Erst vor Kurzem, im Mai 2008, wurde ihm das Opus-magnum-Stipendium der Stiftungen der Unternehmen Volkswagen und Thyssen zuerkannt. Jetzt leitet er die Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule, die er im Exzellenzwettbewerb an die FU holte, und wurde schließlich vom damaligen FU-Präsidenten Dieter Lenzen mit der Betreuung der gesamten Doktorand_innen- Ausbildung als Leiter der Dahlem Research School beauftragt. Ein vorbildlicher Lebenslauf. Nicht nur beruflich läuft alles glatt, auch bei der Presse kommt Alt gut an. Er hat, wie der gut informierte Tagesspiegel berichtet, »seine Gedanken über das Risiko biographischer Darstellungen auf seine Homepage
gestellt, zusammen mit einem Dutzend anderer schwindelerregend kluger Selbstzitate.« Und er besitzt ein iPhone.9 Gute Voraussetzungen also für die Präsidentschaft. Alt »kennt die FU. Er hat zahlreiche einflussreiche Unterstützer. Und er hat Pläne.«10 Aktiv und engagiert erläutert er in seinem 10-Punkte-Programm die Vorteile der Exzellenzinitiative an der FU:
»die Einführung von Lehrprofessuren sowie eines ›internationalen Lehrexports‹, in dessen Rahmen Seminarinhalte an ausländische Universitäten verkauft werden
sollen. Der neue Exzellenzantrag soll Nachwuchsförderung als Schwerpunkt haben, in diesem Rahmen soll auch eine intensivere Zusammenarbeit mit den Max-Planck-Instituten angestrebt werden.«11 Für Alt heißt es also zukünftig: Exzellenz fördern, die Lehre profitabel machen und die Kommerzialsierung der FU weiter vorantreiben. In einem Interview stellt Alt auf die Frage, welche negativen Auswirkungen die Exzellenzinitiative für die Studierenden habe, zwar einen Mangel an Lehrkapazitäten fest, den er jedoch leicht beseitigt weiss: »Man muss also Vertretungen finden – eine Chance für den wissenschaftlichen Nachwuchs.«12 Schließlich hat auch er, der selbst stark in Exzellenzprojekten engagiert ist, in seinen wenigen
Lehrveranstaltungen stets nur weiterführende und Vertiefungsseminare für möglichst weit fortgeschrittene Studierende oder Doktorand_innen gegeben, während die wohl unliebsamen aufbauenden Lehrveranstaltungen in der Deutschen Philologie oft von unerfahrenen, jungen Dozent_innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen übernommen werden müssen, die in teilweise prekären, befristeten, möglicherweise drittmittelabhängigen13 Arbeitsverhältnissen stehen. Nicht die Qualität, sondern lediglich eine Kontinuität der Lehre scheint Alt der Gewährleistung würdig. Während ›Exzellenzprofessuren‹ schon »derzeit kaum Lehre anbieten müssen, sollen nun noch Professuren eingerichtet werden, die von der Forschung ferngehalten werden. Hierdurch werden die Gräben an der Universität vertieft, die durch die Exzellenzinitiative entstanden sind.«14 Immerhin bringe die Steigerung des Ansehens
der Universität durch Exzellenz laut Alt, wenigstens für Studienabsolvent_innen der
Wirtschaftswissenschaften, möglicherweise »Vorteile bei Bewerbungsverfahren.«15 Auch das weitere Interview lässt sich nur stirnrunzelnd lesen: Der FU-weite Runde Tisch, an dem alle Studierenden, Lehrenden u. a. Statusgruppen der FU teilnehmen können und der die FU-weite Überarbeitung der Bachelorordnungen und die Aussetzung der Anwesenheitspflicht veranlasst hat, hätte zwar »wichtige Beiträge« geliefert, er sei jedoch keine Institution und solle die Arbeit wieder den Gremien mit klarer professoraler Mehrheit (z.B. Fachbereichsrat, Akademischer Senat) überlassen.16 Eine basisdemokratisch organisierte Universität, wie sie Raúl Rojas visionierte, kann sich Alt wohl nicht vorstellen. »Das Präsidium muss eine Entscheidungsinstanz sein…«17 Im Gegenzug zum Wahlboykott-Aufruf des Studierendenparlaments bescheinigt der Präsident den Studierenden pauschal mangelndes Interesse, sich hochschulpolitisch zu engagieren. Regelstudienzeit, Workload und Studienfinanzierung scheinen dabei Banalitäten. Die Vertreterinnen und Vertreter des AStA
seien »nur von einem Bruchteil der Studierenden gewählt.«18 Ein scharfsinniger demokratischer Ratschlag des einzigen übriggebliebenen, konkurrenzund alternativlosen Präsidentschaftskandidaten, der bereits seit zwei Jahren in internen Kreisen der FU als ausgewählter Nachfolger von Dieter Lenzen gehandelt wird. Der markantenste Unterschied zwischen Dieter Lenzen, dem Vater der Exzellenz, und Peter-André Alt tritt nun immer deutlicher hervor: Dieter Lenzen ökonomisiert die Universität Hamburg, Alt die FU Berlin. Vielleicht hat Alt etwas andere Mittel als Lenzen, sich Einfluss zu verschaffen. »Er macht es feiner. […] Das muss nicht weniger effizient sein.«19

1 »Im Geist der Freien Universität«, Tagesspiegel online 06.05.2010, http://www.tagesspiegel.de/wissen/im-geist-der-freien-universitaet/1815146.html
2 In einer Resolution vom 22.04.2010 übt das Studierendenparlament der FU Kritik am Wahlverfahren der Präsidentschaftswahl und ruft zu deren Boykott auf: http://www.astafu.de/aktuelles/archiv/a_2009/
presse_04-23
3 Vgl. »Drei für die FU«, Tagesspiegel online 11.03.2010, http://www.tagesspiegel.de/wissen/
drei-fuer-die-fu/1716368.html
4 PM des AstA FU vom 29.03.2010, http://www. astafu.de/aktuelles/archiv/a_2009/presse_03-29
5 Vgl. »Ich habe mich über Rojas geärgert«, 29.03.2010, http://www.furios-campus.
de/2010/03/29/ich-habe-mich-uber-rojas-geargert/
6 »Im Geist der Freien Universität«
7 Ebd.
8 Alts Vita und seine Veröffentlichungen umfassen seit 1985 15 Monographien, ca. 90 Aufsätze, 25 Rezensionen, mehrere Editionen, vier Sammelbände zur deutschsprachigen und europäischen Literatur des 17.–18. und des 20. Jahrhunderts. Eine ausfürhliche Auflistung findet sich unter: http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we04/Mitarbeiter/
alt/index.html
9 Vgl. »Ich habe ein iPhone«, 22.02.2010, http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/ichhabe-ein-iphone/1688172.html
10 Ebd.
11 »Neu statt Alt«, 05.04.2010, http://www.astafu. de/aktuelles/archiv/a_2009/news_04-05
12 »Fragen an Peter-André Alt«, Antworten vom 01.04.2010, http://www.fu-gruene.de/wp-content/uploads/2010/03/Fragen-an-Peter-Andre-Alt.pdf
13 Das heißt von der unsicheren Finanzierung von außen abhängend. Drittmittel sind finanzielle Mittel v.a. für die Forschung, die nicht die Universität stellt, sondern die bei »Dritten« (z.B. Unternehmen) eingeworben werden müssen. Vor allem in Hinblick auf die verfassungsrechtlich garantierte Unabhängigkeit von Lehre und Forschung und auf die Auswirkungen auf die Arbeitsverhältnisse von Akademiker_innen sind Drittmittel umstritten.
14 »Neu statt Alt«
15 »Fragen an Peter-André Alt«
16 Ebd.
17 »Ich habe mich über Rojas geärgert«
18 »Fragen an Peter-André Alt«
19 »Im Geist der Freien Universität«

Siehe AStA-Info 11 (Mai 2010)

FU Berlin versenkt eine Million Euro in New York

Wie – neben anderen Medien – der „Tagesspiegel“ aktuell berichtet (*klick*), hat die FU den „Friends of Freie Universität Berlin“ in New York in den vergangenen Jahren mehr als eine Million Euro gegeben. Dieser Verein, bestehend aus Alumni, sollte in den USA Geld für die FU sammeln, ganz nach dem Vorbild der US-amerikanischen Eliteunis, bei denen Alumni-Beiträge einen beträchtlichen Anteil des Budgets ausmachen. Aber gut gemeint ist halt noch lange nicht gut gemacht. Und so steckte die Zentralverwaltung der FU seit 2003 Jahr für Jahr Tausende Euro in ihr New Yorker Büro, ohne auch nur annähernd für die Investition etwas zurück zu erhalten. Gleichzeitig wurden in Berlin Bibliotheken und Institute geschlossen und Professuren gekürzt.
Henry-Ford-Bau: Sanierung doch nicht über Spenden finanziert?

Dabei hatten die „Friends“ einen recht beachtlichen Erfolg beim Geldeintreiben vorzuweisen: eine Großspende in Höhe von 600 000 Dollar für die Sanierung des Henry-Ford-Baus. Die etwas älteren Semester werden sich erinnern, die fand vor einigen Jahren statt und war pünktlich zur Verkündigung des Exzellenzstatus der FU abgeschlossen. Das Geld kam von der Max-Kade-Stiftung – das frisch sanierte Auditorium Maximum im HFB wurde denn auch prompt nach Max Kade benannt.
Sehr nett, könnte mensch jetzt sagen, aber wie so oft gibt es auch hier einen Haken. Von den 600 000 Dollar ist nämlich so gut wie nichts in Berlin angekommen. Oder, wie das Präsidium in einem internen Prüfbericht selbst zugibt, „die gesamte Renovierung des Henry-Ford-Baus [wurde] aus Mitteln der Freien Universität bestritten [..]“. Na sowas. Merkwürdig nur, dass mensch erst heute etwas davon erfährt, und nicht zu der Zeit, als am HFB noch gebaut wurde.

Seit einiger Zeit geht ja der oder dem geneigten Leser_in ein wenig der Maßstab für Geldbeträge verloren. Kein Wunder, wenn für marode Immobilienbanken oder zur Stützung des Euro Dutzende, wenn nicht gar Hunderte von Milliarden locker gemacht werden. Was ist da schon eine Million?
Nun, wer sich schon mal die Haushaltssitzungen des Instituts- oder Fachbereichsrats angesehen hat, wird sich wundern, mit welch schmalem Budget an der FU gewirtschaftet wird. Eine Million Euro entsprechen denn zum Beispiel auch ziemlich genau dem Jahresbudget (!) des OSI- in anderen Instituten sieht es nicht besser aus.
Grundsätzlich macht sich wieder einmal bemerkbar, dass Intransparenz in Verbindung mit einer zu großen Machtfülle zu einer systematischen Verschwendung von Geldern führt. Wir erneuern daher unsere Forderung nach einer Abschaffung der Erprobungsklausel, die den Präsidialabteilungen aller Berliner Unis weitgehende Vollmachten eröffnet, und nach einer Einführung größerer Mitspracherechte aller Statusgruppen bei universitätsweiten Entscheidungen. Die Verlagerung von Kompetenzen aus den gewählten akademischen Gremien hin zu vom Präsidium verwalteten Exzellenz- und Strategiezentren muss aufhören.

Es bleibt aber abzuwarten, welche Konsequenzen an der FU nun gezogen werden. Eine erste Folge dieser skandalösen Geldverschwendung steht schonmal fest, das Büro der „Friends“ in New York wird geschlossen. Spannend wird es eher bei der Frage, ob auch persönliche Konsequenzen gezogen werden. Dieter Lenzen hat es sich ja schon mal in Hamburg bequem gemacht. Darüber hinaus unterhält die FU im Rahmen ihrer Exzellenzstrategie der „Internationalen Netzwerkuniversität“ weitere Auslandsbüros in aller Welt – ein Vorhaben, das von Studierenden schon länger als Geldverschwendung kritisiert wird. Ob die Misswirtschaft des New Yorker Büros Auswirkungen auf das Wirken der anderen Auslandsbüros haben wird, ist ebenfalls noch nicht klar.

Aufklärung soll nun wohl eine Rechnungshofprüfung bringen. Mehr…